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Nachrichten 20.03.2026

Hochschule Geisenheim baut Reallabor für multifunktionale und klimaresiliente Weinbausysteme auf

Wie kann Landwirtschaft wettbewerbsfähig, umweltschonend und klimaresilient sein und zugleich Versorgungs- und Ernährungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten? Mit dem in Berlin feierlich vor rund 250 Gästen aus Politik, Landwirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft eröffneten …

Hochschule Geisenheim baut Reallabor für multifunktionale und klimaresiliente Weinbausysteme auf
Eröffnung des IAT, v.l.n.r.: Sebastian Rogga (ZALF), Prof. Ilona Leyer (Hochschule Geisenheim), Silke Flörke (Universität Kassel), Julia Gunnoltz (ZALF) und Barbara Sprenger (JLU Gießen) (Foto: Reimann Fotografen / ZALF)

Wie kann Landwirtschaft wettbewerbsfähig, umweltschonend und klimaresilient sein und zugleich Versorgungs- und Ernährungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten? Mit dem in Berlin feierlich vor rund 250 Gästen aus Politik, Landwirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft eröffneten Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT) gehen das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die Universität Kassel, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Hochschule Geisenheim gemeinsam neue Wege. In fünf Regionen in Brandenburg und Hessen werden sogenannte „Reallabore“ aufgebaut.

Die Reallabore sollen eine dauerhafte und besonders enge Kooperation und ein gemeinsames Experimentieren von Wissenschaft und Praxispartnern in der jeweiligen Region etablieren, um so innovative Lösungen für zentrale Herausforderungen in den Agrar- und Ernährungssystemen unter realen Bedingungen zu entwickeln und zu erproben.

Reallabor für multifunktionale und klimaresiliente Weinbausysteme umfasst Rheingau und Mittelrheintal

An der Hochschule Geisenheim entsteht im Rahmen des IAT das Reallabor für multifunktionalen und klimaresilienten Weinbausysteme. Es baut auf langjährigen Projekten der Hochschule mit der weinbaulichen Praxis sowie dem Reallabor Rheingau auf. Konkret werden derzeit zwei Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich inhaltlich auf verschiedenste Aspekte mit der Transformation des Weinbaus und der durch ihn geprägten Kulturlandschaften im Rheingau sowie im Mittelrheintal befassen.

Die Arbeitsgruppen wollen unter anderem innovative Lösungen zur Steigerung der Wertschöpfung im Weinbau und zur Integration biodiversitätssteigernder Maßnahmen entwickeln und entsprechende multifunktionale Anbausysteme und Geschäftsmodelle im Weinbau im realweltlichen Kontext bewerten.

Auf Landschaftsebene sollen Strategien zur Verbesserung des Klimaschutzes und der Klimaanpassung entwickelt werden, wie etwa die Optimierung der Wasserrückhaltung, die Reduktion der Anfälligkeit für Erosions- und Hochwasserschäden und die Verbesserung der Biodiversität. Besonders wichtig ist auch, den wirtschaftlichen Strukturwandel sinnvoll zu begleiten. Das wird immer mit dem Ziel verknüpft, den Weinbau und die Kulturlandschaften vor Ort weiterzuentwickeln und für die Zukunft zu stärken.

Um dabei den Austausch mit der Praxis weiter zu intensivieren, ist im Zuge des Reallabor-Aufbaus auch eine gemeinsam mit dem ZALF zu berufene W2-Professur für Co-entwickelte innovative Weinbausysteme an der Hochschule Geisenheim ausgeschrieben. Die Professur wird bestehende Forschungsbereiche der Hochschule ergänzen, unter anderem indem sie einen Schwerpunkt auf den Einsatz von sogenannten Open-Innovation-Verfahren, also einer offenen und gemeinsamen Entwicklung von Lösungen mit den Praxispartnern und der Gesellschaft, legt und diese erprobt. Außerdem ist derzeit eine Arbeitsgruppenleitung für Co-entwickelte naturbasierte Lösungen in Weinbaulandschaften zur Klimaanpassung mit Fokus auf das Management des Wasserhaushalts ausgeschrieben.

Bedeutung für die Agrarsystemforschung sowie für die Hochschule Geisenheim

„Die Einrichtung des IAT ist ein wichtiges und nachhaltiges Element, um mithilfe von ganzheitlicher Forschung die Transformation der Landwirtschaft bzw. in unserem Fall des Weinbaus und der durch ihn geprägten besonderen Landschaften in eine tragfähige Zukunft zu unterstützen. Nur unter real-praktischen Bedingungen kann sichergestellt werden, dass alle Facetten des notwendigen Veränderungsprozesses betrachtet werden. Und es entstehen bereits im gemeinsamen Prozess Lösungen, die direkt in der Praxis erprobt sind und Anwendung finden.“, erklärt Prof. Dr. Annette Reineke, Vizepräsidentin für Forschung an der Hochschule Geisenheim.

Das Reallabor Rheingau der Hochschule Geisenheim ist 2025 als Mitglied in der europäischen Allianz für Reallabore („European Network of Agroecology Living Labs“) aufgenommen worden. „Das IAT mit seinem Fokus auf der Reallaborforschung und die enge Anbindung an das ZALF sowie die kommende Professur für Co-entwickelte innovative Weinbausysteme ergänzen damit unsere praxisorientierte Ausrichtung als Hochschule Geisenheim optimal. Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung und alle damit verbundenen anstehenden Aktivitäten.“, ergänzt Reineke.

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