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Nachrichten 23.10.2019

FENS 2019: Neue Erkenntnisse zu Orangensaft auf bedeutendem europäischen Ernährungskongress vorgestellt

Bei der nur alle vier Jahre stattfindenden Tagung der „Federation of European Nutrition Societies“ (FENS) kamen vom 15. bis 18. Oktober 2019 im irischen Dublin mehr als 2.500 Ernährungsexperten aus ganz Europa zusammen. Vorgestellt wurden dort auch neue Ergebnisse der Fruchtsaftforschung…

FENS 2019: Neue Erkenntnisse zu Orangensaft auf bedeutendem europäischen Ernährungskongress vorgestellt
(Foto: pixabay)

Bei der nur alle vier Jahre stattfindenden Tagung der „Federation of European Nutrition Societies“ (FENS) kamen vom 15. bis 18. Oktober 2019 im irischen Dublin mehr als 2.500 Ernährungsexperten aus ganz Europa zusammen. Vorgestellt wurden dort auch neue Ergebnisse der Fruchtsaftforschung, nach denen sich Orangensaft in Bezug auf kardiovaskuläre Gesundheit und entgegen landläufiger Meinung auch hinsichtlich der Entstehung von Übergewicht nicht negativ, sondern entweder positiv oder neutral auswirkt. Hesperidin, ein wenig bekanntes Citrus-Polyphenol, das in Orangensaft in größerer Quantität vorkommt, rückt zunehmend in den Fokus der Forscher und überrascht dabei mit einer ganzen Reihe positiver Eigenschaften.

Im Rahmen eines eigenen Symposiums zum Thema Fruchtsaft präsentierten renommierte Wissenschaftler wie Professor Ralf Schweiggert von der Universität Geisenheim und Professor John Sievenpiper von der Universität Toronto ihre aktuellen Forschungen. Und auch diverse Posterpräsentationen thematisierten die aktuelle Studienlage zum Thema Fruchtsaft.

Hesperidin – das neue Vitamin C?

Es ist bekannt, dass Orangensaft einen hohen Vitamin-C-Gehalt hat. Genauso enthält er aber auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Carotinoide, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben können, wie auf die Gesundheit von Blutgefäßen.

Neue Daten, die von den unabhängigen Auditoren von SGF International bei mehr als 350 Fruchtsaftherstellern weltweit erhoben wurden, zeigen, dass ein kleines Glas Orangensaft (150 ml) erhebliche Mengen Hesperidin enthält – einem Polyphenol, das ausschließlich in Zitrusfrüchten und -säften vorkommt. In klinischen Studien führte die Zufuhr von Hesperidin zu einem deutlich niedrigeren Blutdruck, vermutlich durch die erhöhte Entspannungsfähigkeit der Blutgefäße.

Professor Schweiggert kommentierte die auf der FENS-Konferenz vorgestellten neuen Hinweise zu Hesperidin: „Das Spektrum der Hesperidingehalte in Orangensaft ist sehr breit, was die Frage aufwirft, ob wir in Zukunft Orangensorten und Entsaftungsmethoden wählen können, die den höchsten Hesperidingehalt liefern. In Anbetracht der neuen Erkenntnisse hinsichtlich Gefäßgesundheit und der Tatsache, dass Bluthochdruck das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen erhöht, könnte dies denen zugutekommen, die regelmäßig Orangensaft trinken.“

Nimmt man durch den Verzehr von Fruchtsaft zu?

Im Rahmen anderer Forschungsarbeiten, die auf dem FENS-Kongress vorgestellt wurden, wurde u. a. eine Metaanalyse durchgeführt, um herauszufinden, ob der tägliche Verzehr von Orangensaft das Risiko einer Gewichtszunahme bei Erwachsenen erhöht. Dazu wurden 17 kontrollierte klinische Studien mit mehr als 200 Teilnehmern ausgewertet. Diese untersuchten den täglichen Verzehr von Orangensaft über 4 bis 12 Wochen, wobei die Verzehrsmenge zwischen 250 und 500 ml (2–3 Gläser) pro Tag variierte.

Die Ergebnisse zeigten keine statistischen Auswirkungen eines täglichen Verzehrs von Orangensaft auf das Körpergewicht und wirken so den Befürchtungen in Bezug auf das Risiko von Übergewicht durch den regelmäßigen Verzehr von einem Glas Fruchtsaft entgegen.

Die Autorin der Metaanalyse und britische Ernährungswissenschaftlerin, Dr. Carrie Ruxton, erläuterte dieses Ergebnis: „Der tägliche Verzehr eines Glases Orangensaft liefert nur 60 Kalorien, aber man sagt uns oft, wir sollen ihn nicht trinken, weil manche glauben, dass der natürliche Zucker zu Übergewicht führen könne. Doch das ist falsch und in unserer Metaanalyse wurde deutlich gezeigt, dass dies keinen Einfluss auf das Körpergewicht hat, selbst bei einem Verzehr von bis zu 500 ml täglich, was über typische Empfehlungen hinausgeht. Der tägliche Verzehr eines Glases mit 150 ml Orangensaft kann eine gute Quelle für Vitamin C, pflanzliche Polyphenole und Kalium sein – letzteres unterstützt einen normalen Blutdruck. Jedoch trinken die meisten Menschen keinen Fruchtsaft und der durchschnittliche Verzehr in Europa liegt bei lediglich 40–50 ml pro Tag.“

Ist Fruchtsaft nur ein weiteres zuckerhaltiges Getränk?

Die kontroverse Frage, ob Fruchtsaft als verarbeitete Frucht oder als zuckerhaltiges Getränk einzustufen ist, wurde auf dem Fruchtsaft-Symposium ebenfalls diskutiert.

Professor Sievenpiper betonte, wie die Sorge hinsichtlich zuckerhaltiger Getränke zu Maßnahmen wie restriktiven Ernährungsempfehlungen, Steuern und Werbebeschränkungen geführt hat. Fruchtsaft wurde dem hinzugerechnet, aber der Zucker scheint sich im Körper anders zu verhalten. Er erklärte: „Im Gegensatz zu zuckergesüßten Erfrischungsgetränken zeigt Fruchtsaft tendenziell protektive Wirkungen auf die Gesundheit, wie z. B. die Mortalität bei koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall und Schlaganfallsterblichkeit – trotz des Gehalts an natürlichem Zucker. Die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Fruchtsaft im Rahmen einer ausgewogenen, gewichtserhaltenden Ernährung mehr kardiometabolischen Nutzen als Schaden bringt.“

Professor Schweiggert stellte einen überzeugenden Vergleich zwischen Fruchtsaft und zuckergesüßten Erfrischungsgetränken vor, laut dem Fruchtsaft eine komplexe Bandbreite von Nährstoffen liefert, darunter Vitamin C, Vitamin A und Folat, die mit gesundheitlichem Nutzen in Verbindung stehen. Er sagte: „Die täglichen Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind tendenziell geringer, wenn Orangensaft konsumiert wird als beim Verzehr von zuckergesüßten Erfrischungsgetränken. Dies ist vermutlich auf das Polyphenol Hesperidin zurückzuführen, das die Zuckeraufnahme aus dem Verdauungstrakt verlangsamen kann. Es gibt auch Hinweise dafür, dass Hesperidin die Zusammensetzung unserer Darmbakterien positiv beeinflussen und zudem dabei helfen kann, die Harnsäure aus dem Körper auszuscheiden, wodurch Gelenkbeschwerden gelindert und das Auftreten von Gicht verzögert oder sogar verhindert werden kann. Diese Fakten sagen mir, dass Fruchtsaft nicht mit ‚zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken’ gleichgesetzt werden sollte.“

Dr. David Vauzour von der University of East Anglia untersuchte ein neues Gebiet für Fruchtsaft-Polyphenole – den Beitrag zur Unterstützung einer optimalen kognitiven Funktion. Er merkte dazu an: „Es gibt zunehmende Hinweise aus Human- und Tierstudien, dass Citrus-Polyphenole eine schützende Wirkung im Gehirn haben. Wir denken, dies ist dadurch bedingt, dass die Polyphenole mit unseren Darmbakterien interagieren und in Substanzen umgewandelt werden, die direkt auf alternde Gehirnzellen und die Blutgefäße, die das Gehirn mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, abzielen. Aus diesem Grund wird heute angenommen, dass Citrus-Flavonoide eine schützende Funktion gegen den kognitiven Verfall übernehmen und das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen verhindern könnten.“

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