Anzeige:Aktuelle Ausgabe FLÜSSIGES OBST
Fruchtwelten 2021
Fachbuch Moderne Apfelsaft-Technologie
Fachbuch Moderne Betriebstechnik
Unsere internationale Fachzeitschrift FRUIT PROCESSING
Nachrichten 21.09.2021

Kieler Professor leitete die Studie zur Folgenabschätzung des Green Deal

Ein erheblicher Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion in der Europäischen Union bei vollständiger Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie des Europäischen Green Deal: Das ist ein Ergebnis einer veröffentlichten Studie zur Folgenabschätzung …

Kieler Professor leitete die Studie zur Folgenabschätzung des Green Deal
Symbolbild Traktor (Foto: Christin Beeck, Uni Kiel)

Professor Christian Henning: „Win-win-Situation für die ganze Gesellschaft möglich, aber smarte innovative Umsetzung durch Politik gefordert.“

Ein erheblicher Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion in der Europäischen Union bei vollständiger Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie des Europäischen Green Deal: Das ist ein Ergebnis einer veröffentlichten Studie zur Folgenabschätzung unter Leitung von Professor Christian Henning von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Auftrag der Verbändeallianz Grain Club sowie weiterer Verbände. Henning, Lehrstuhlinhaber für Agrarpolitik an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU weist aber darauf hin, dass sich daraus Chancen für alle Seiten ergeben könnten. So steigerten die kompletten Farm-to-Fork-Maßnahmen die Ökosystemleistungen, wie Wasser- und Klimaschutz, in allen EU-Mitgliedstaaten und gleichzeitig könnte das Einkommen der EU-Landwirtschaft sogar um bis zu 35 Milliarden Euro jährlich steigen.

Kieler Professor leitete die Studie zur Folgenabschätzung des Green Deal
Studienleiter Professor Christian Henning. (Foto: Sven Janssen, Kiel)

„Aus Sicht der Verbraucher lohnt sich der Green Deal, solange der Nutzenwert des erhöhten Klima- und Wasserschutz sowie der gesteigerten Biodiversität höher ist als die Anpassungskosten von 157 Euro pro Kopf und Jahr“, führt Henning aus. Die berechneten Anpassungskosten von 157 Euro entsprechen 0,3 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens in der EU. Tatsächlich schätzt die Studie, dass EU-Verbraucherinnen und -Verbraucher bis zu 10 Prozent ihres Pro-Kopf-Einkommens für die gesamte Umsetzung der Green Deal-Ziele zahlen würden. Dies impliziert ein Nachfragepotenzial nach Ökosystemleistungen der Landwirtschaft von rund 320 Milliarden Euro bzw. 715 Euro pro Kopf und Jahr. Laut der Studie wird dieses Potenzial in der aktuellen Umsetzung der Farm-to-Fork Strategie noch nicht voll umgesetzt. Insbesondere erziele das Maßnahmenpaket den angestrebten positiven Effekt auf das Klima weltweit noch nicht: „Die prognostizierten Treibhausgas-Einsparungen (THG) durch eine Verringerung der europäischen Agrarproduktion werden durch eine Erhöhung der THG-Emissionen der Landwirtschaft außerhalb der EU sowie durch Landnutzungswandel in der EU vollständig nivelliert“, sagt Professor Christian Henning. Andere individuelle Farm-to-Fork-Maßnahmen, die auf eine pauschale Förderung spezieller Produktionstechniken – wie den „Ökologischen Landbau“ nach EU-Richtlinien – abzielen, seien nicht kosteneffizient. Das heißt, es gebe andere Maßnahmen, die mehr Ökosystemleistungen zu niedrigeren Kosten generieren könnten, so Henning. Darüber hinaus ergebe sich bei anvisierter Umsetzung je nach Produktions- und Konsumstruktur eine stark asymmetrische Verteilung der Kosten- und Nutzen zwischen den EU-Ländern wie auch innerhalb der Landwirtschaft zwischen Tier- und Pflanzenproduzenten. Dies erschwere eine gemeinsame politische Einigung auf EU-Ebene.

Studienleiter Professor Henning resümiert: „Grundsätzlich birgt die Farm-to-Fork-Strategie Potenzial für Landwirte und die gesamte Gesellschaft. Allerdings ist hierfür eine innovative agrarpolitische Umsetzung erforderlich. Eine bürokratische Vorgabe spezieller Technologien ist nicht zielführend, da diese Unternehmeranreize blockiert bzw. falsch setzt. Umgekehrt führt der Markt allein ebenfalls zu den falschen Anreizen, da wichtige Ökosystemleistungen wie Wasser- und Klimaschutz über den Markt nicht hinreichend honoriert werden können. Wir brauchen politische Steuerungsmechanismen, die gesellschaftliche Bedürfnisse in korrekte Anreize für die Landwirte übersetzen. Gleichzeitig sollten auch auf der Verbraucherseite Anreize geschaffen werden, nachhaltige und gesunde Lebensmittel ohne übermäßige Verschwendung zu konsumieren.“ Die Wissenschaft habe bereits erste innovative Lösungsansätze entwickelt, nun sei vor allem die Politik gefordert, diese effektiv umzusetzen.

<< zurück