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Nachrichten 11.07.2016

Die Ökonomie der Getränkeverpackung

Aktuelle Fachdebatten um Getränkeverpackungen sowie zum Deutschen Pfandsystem sind geprägt von ökologischen Vor- und Nachteilen der jeweiligen Verpackung. Doch die ökonomischen Zusammenhänge werden hierbei selten berücksichtigt. Die DIW Econ, eine Tochtergesellschaft des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mit Sitz in Berlin, hat im Auftrag des Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ) diese Lücke geschlossen und sich auf […]

Aktuelle Fachdebatten um Getränkeverpackungen sowie zum Deutschen Pfandsystem sind geprägt von ökologischen Vor- und Nachteilen der jeweiligen Verpackung. Doch die ökonomischen Zusammenhänge werden hierbei selten berücksichtigt.

Die DIW Econ, eine Tochtergesellschaft des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mit Sitz in Berlin, hat im Auftrag des Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ) diese Lücke geschlossen und sich auf die Analyse der ökonomischen Aspekte konzentriert.

Laut Herrn Dr. Aigner, Consultant bei der DIW Econ, sind folgende Faktoren für den Erfolg – dem Aufbau eines Wertstoffkreislaufs – aber auch Misserfolg  dem nicht gestoppten Rückgang der Mehrweg Quote – des Pfandsystems ausschlaggebend.

Vor der Pfandeinführung 2003 war der deutsche Getränkemarkt noch von einer Vielfalt von Verpackungsarten im alkoholfreien Segment geprägt. Dies änderte sich in den Jahren nach der Einführung des Einwegpfands und in 2014 dominierte die Einweg-PET-Flasche den alkoholfreien Markt. Die große Ausnahme: Bier. Hier greift der Verbraucher immer noch am häufigsten zur Mehrweg-Glas-Flasche. Doch die Getränkedose erlebt eine Renaissance und nimmt heute wieder einen Anteil von über sechs Prozent bei Bier ein.

„Durch das geringe Gewicht, das Entfallen der Leergutsortierung und durch die massiven Vorteile bei Logistik und Rücktransport“, so Herr Dr. Eigner, „hat Einweg gegenüber Mehrweg Kostenvorteile, die sich auch im Preis niederschlagen. Neben unterschiedlichen Kostenstrukturen von Einweg und Mehrweg nennt der Ökonom auch die zunehmende Mobilität als mögliche Erklärung für den steigenden Marktanteil von Einweg. Mehrweg ist traditionell eng mit dem Kastenverkauf verknüpft. Durch die sozioökonomischen Entwicklungen, welche tendenziell die Nachfrage nach kleinen und leichten Gebinden erhöhen, setzt sich der Trend von Einwegverpackungen fort.

Als letzten Aspekt führte Herr Dr. Aigner an, dass das bundeseinheitliche Einwegpfand den Impuls für ein funktionierendes Kreislaufsystem gab. Durch die einheitliche Rückgabe wurde es dem Verbraucher leicht gemacht, die Gebinde dem Wertstoffreislauf zurückzuführen. Diese geordnete Rückgabe wiederum ermöglicht der Industrie ein sortenreines Recycling.

In einem Exkurs „zusätzliche Lenkungsabgabe auf Einwegverpackungen“ kommt die Studie der DIW Econ zu dem Ergebnis, dass eine Abgabe in Höhe von 20 Cent pro Verpackung die Verbraucher voraussichtlich im unteren einstelligen Milliarden-Bereich belastet. Da sich auch die Ökobilanzen von Einweg im Vergleich zu Mehrweg deutlich verbessert haben, ist es ungewiss, ob eine Abgabe auf Einweggetränkeverpackungen sinnvoll ist. Herr Dr. Aigner betont: Den ungesicherten ökologischen Vorteilen einer Abgabe stehen dabei die wirtschaftlichen Nachteile für Verbraucher gegenüber.“

Das Pfandsystem hatte zum politischen Ziel, Einweg unattraktiver zu gestalten und somit die Mehrweg Quote zu steigern. Jedoch hat die Einwegpfandpflicht möglicherweise anders gewirkt als beabsichtigt. Statt dem Mehrweg-System zu einer Renaissance zu verhelfen, wirkte die einheitliche Pfand- und Rückgabepflicht als Impuls für ein funktionierendes Kreislaufsystem. Dies kann Herr Burgard, Geschäftsführer des BGVZ, nur bekräftigen und betont: „Die Weiterentwicklung des Wertstoffkreislaufs muss nun unsere Hauptaufgabe sein!“

11.07.2016

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