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Nachrichten 26.01.2010

Die Getränkedose feiert 75. Geburtstag

  Die erste Bierdose kam am 24. Januar 1935 in den USA auf den Markt  Wer vor 75 Jahren das neu auf den Markt gekommene Krueger’s Beer aus der Dose trinken wollte, brauchte Muskeln: Die Getränkedose wog damals fünfmal so viel wie heute und musste mit einem separaten „Dolch“ aufgestochen werden. Seither hat sich einiges […]

 

Die erste Bierdose kam am 24. Januar 1935 in den USA auf den Markt  Wer vor 75 Jahren das neu auf den Markt gekommene Krueger’s Beer aus der Dose trinken wollte, brauchte Muskeln: Die Getränkedose wog damals fünfmal so viel wie heute und musste mit einem separaten „Dolch“ aufgestochen werden. Seither hat sich einiges getan. Die Getränkedose ist heute ein Leichtgewicht, deren Entwicklung durch stete Verbesserungen zugunsten von Umwelt und Verbrauchern geprägt wurde. Die klassisch zylindrische Form bleibt dabei unschlagbar praktisch und bei Verbrauchern beliebt.

Ob Bier, Cola, Energy-Drinks, Kaffeemischgetränke, Grüner Tee, exotische Cocktails oder Wein – es gibt kaum ein Getränk, das heute nicht auch in Dosen vermarktet wird. Dabei war vor 75 Jahren die Nachricht, dass ein Getränk wie Bier nun auch in „Blechgefäßen“ angeboten wird, geradezu revolutionär. Seitdem hat sich die Getränkedose unter Verbrauchern eine Fangemeinde erobert, die weltweit Jahr für Jahr wächst. Allein in Europa wurden 2008 rund 53 Milliarden Getränkedosen verkauft, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Bis heute wird seit ihrer Erfindung daran geforscht, wie die runde Metallverpackung immer weiter verbessert werden kann – dabei profitiert auch und vor allem die Umwelt von den Neuerungen der vergangenen 75 Jahre.

Von Null auf 200 Millionen im ersten Jahr

Stahl als Verpackungsmaterial zu nutzen, wurde erst durch die Erfindung der Hitzesterilisation möglich: Im Jahr 1810, vor genau 200 Jahren, erhielt der Franzose Nicholas Appert das Patent von Napoleon. Dieser hatte das Problem der fehlenden Haltbarmachung von Lebensmitteln für seine Soldaten erkannt und einen Preis für dessen Lösung ausgesetzt. Im gleichen Jahr erhielt der  Engländer Peter Durand  ein Patent über die Verwendung  von  Weißblechdosen für die  Herstellung von Konserven. Die  Weißblechverpackung war geboren. Lebensmittel in  Dosen sicherten später Seefahrern und  Expeditions-Teilnehmern  die  dringend  benötigten Vitamine
Die Prohibitionszeit im Amerika der 1930er Jahre brachte schließlich Hersteller auf die Idee, auch Getränke in Konservendosen abzufüllen. 1933 unterzeichnete die Gottfried Krueger Brauerei in New Jersey einen Vertrag mit der American Can Company, die inzwischen eine Bierdose entwickelt hatte. Am 24. Januar 1935 war es schließlich soweit – Weltpremiere für das erste Dosenbier: „Krueger’s Beer“ kam erstmals in einer zylindrischen Weißblechdose in Richmond, Virginia, auf den Markt und wurde noch im selben Jahr 200 millionenfach verkauft. Die „Urdose“ wog damals rund 100 Gramm.

„Einfacher Leben – mit Bier aus Dosen“

Der deutsche Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca – heute Ball Packaging Europe – war von Anfang an dabei, als es darum ging, an Verbesserungen der Dose zu tüfteln. Die erste Bierdose des Unternehmens, eine dreiteilige Flaschendose mit Kronkorkenverschluss, konnte sich wegen zu aufwändiger Produktion jedoch nicht durchsetzen. Anders die dreiteilige Schwarzblechdose, mit der Schmalbach-Lubeca 1951 die Produktion nach den Kriegsjahren wieder aufnahm. Einfacher gestaltet, aus Boden, Korpus und Deckel bestehend, wog diese nunmehr 83 Gramm und war die die erste Bierdose, die in Deutschland auf den Markt kam. „Einfacher Leben – mit Bier aus Dosen“ lautete der Slogan, mit dem die Henninger Brauerei für ihr Produkt warb.
Zwei Jahre später wurde das weniger korrosionsanfällige, aber ebenso recyclingfähige Weißblech verwendet. 1958 kamen die ersten Dosen aus Aluminium in den Handel. Diese konnten aus nur zwei Teilen hergestellt werden: Boden und Korpus wurden im Fließpressverfahren aus einem Stück gefertigt, der Deckel später aufgefalzt.

Drücken statt Reißen

Anfang der 1960er Jahre dann der Durchbruch: Die Entwicklung des so genannten Lift-Tabs – eine im Dosendeckel integrierte Metalllasche – ermöglichte es, die Getränkedose ohne Hilfsmittel zu öffnen. Der Amerikaner Ermal Fraze hatte sich die Technik 1963 patentieren lassen. Seither ist die Verbesserung der Verschlusstechnologie ein ständiger Forschungsgegenstand der Dosenindustrie. Ein erster wesentlicher Fortschritt war eine Erfindung aus dem Jahre 1974: Dan Cudzik entwarf den Stay-on-Tab, auch Ring-Pull genannt, bei dem die Öffnungslasche nicht abgerissen, sondern eingedrückt wurde. Ein bis heute übliches Verfahren, das dafür sorgt, dass auch die kleine Öffnungslasche mitsamt der Dose ins Recycling gelangt. Die Falls City Brewing Company aus Louisville in Kentucky war die erste, die diese Technologie nutzte.

Hals einziehen und Deckel drauf

Parallel zur umweltfreundlicheren Gestaltung des Öffnungsmechanismus fand die wahre Umweltrevolution der Getränkedose jedoch in der kontinuierlichen Materialeinsparung bei Dose und Deckel statt. Die zylindrische Dose wurde seit 1971 durch ein neuartiges Verfahren (Necking-Prozess) im oberen Bereich im Durchmesser von 66 auf 62 Millimeter reduziert. Infolgedessen verringerte sich auch der Deckeldurchmesser, was zu deutlichen Einsparungen beim Materialverbrauch führte. Pünktlich zur Interbrau in München wurde 1971 die zweiteilige Weißblechdose vorgestellt, die inzwischen in England entwickelt worden war. Insgesamt führten beide Entwicklungen zu einer Materialeinsparung von zehn Prozent – die Dose wog zu diesem Zeitpunkt nur noch 38 Gramm.

Leichtgewichte mit guter Ökobilanz

Zu ihrem 75. Geburtstag bringt eine aus Weißblech hergestellte 33-cl-Dose rund 21 Gramm auf die Waage, eine Aluminiumdose nur 10 Gramm. Die Dosenwände sind mit 0,097 Millimeter sogar dünner als ein menschliches Haar. Ebenso wichtig für die Umweltbilanz der Dosen: Die Dose ist die am meisten recycelte Verpackung der Welt. In Deutschland erreicht die Recyclingquote inzwischen sogar 90 Prozent. Da sie ohne Qualitätsverlust immer wieder verwertet werden können, spart der Einsatz recycelten Materials heute bis zu 95 Prozent der Energie, die für die Herstellung von Neumaterial benötigt würde. Aufgrund der kontinuierlichen Gewichtsreduzierung und der stetig steigenden Recyclingraten für Stahl und Aluminium können heute mit der gleichen Menge Primärmaterial rund dreimal mehr Dosen hergestellt werden, als dies noch vor rund 30 Jahren der Fall war.

Forschung rund um die Dose

Als Gegenstand von Forschung und Entwicklung hat die Dose auch im 75. Jahr ihres Daseins noch längst nicht an Faszination verloren. Der Getränkedosenhersteller Ball Packaging Europe unterhält in Bonn ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum, in dem rund 70 Experten ständig an der Weiterentwicklung der Dose arbeiten.  Die weltweit erste wiederverschließbare Getränkedose beispielsweise, die 2008 auf den Markt kam, war eine der wichtigsten Erfindungen der Innovations-Spezialisten von Ball. Schon jetzt sind Dosen auf dem Markt, die dank einer Beschichtung mit thermochromen Lacken dem Verbraucher signalisieren können, wann sie im Kühlschrank die optimale Trinktemperatur von 5 bis 6 Grad erreicht haben. In Zukunft wird es Dosen geben, die bei Bedarf appetitliche Duftaromen verströmen. Auch an digitalen Bedruckungstechniken wird geforscht; damit können Dosen individuell und mit gestochen scharfen Designs gestaltet werden. Und sogar die „kommunizierende“ Dose ist vielleicht irgendwann keine Zukunftsmusik mehr: Die Dose wird dann mit Hilfe von aufladbaren Partikeln und Handys den Verbraucher, der am Supermarktregal vorbeigeht, erkennen können. Auf der Dosenwand wird dann der Satz erscheinen: „Guten Tag Franz Mustermann – bitte kauf mich!“

26.02.2009

 

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