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Nachrichten 15.08.2018

Warten auf den Regen, aber bitte ohne Unwetter

Um möglichen wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden und die Arbeitsplätze der mehr als 380 Mitarbeitenden aus der Region langfristig zu sichern, hat sich die Obstland Dürrweitzschen AG vor mehr als 10 Jahren für die Anschaffung von sechs Hagelschutzkanonen entschieden.

Warten auf den Regen, aber bitte ohne Unwetter
Die Hagelschutzkanone unterbricht diesen Kreislauf durch senkrechte Druckwellen im Abstand von 15 Sekunden in den Himmel. (Foto: Obstland Dürrweitzschen AG)

Hagelschutzkanonen im Obstland verhindern Hagelschäden und nicht den Regen

Die anhaltende Hitze und Trockenheit lassen in diesem Jahr Gärten, Wiesen und Felder verdorren. Der Deutsche Wetterdienst berichtet von einem einmalig hohen Niederschlagsdefizit in Deutschland. Meteorologen sehen die Ursache in einem blockierenden Hochdruckgebiet, welches seit April eine stabile Wetterlage mit warmer und trockener Luft aus Südosten zur Folge hat.

Neben dieser Ausnahmesituation stellen für die Ostland Dürrweitzschen AG Unwetter und vor allem Hagel große Risiken dar. Insbesondere Hagelkörner können innerhalb weniger Minuten beträchtliche Anteile der Obsternte vernichten.

Um diese Gefahr zu verringern, möglichen wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden und die Arbeitsplätze der mehr als 380 Mitarbeitenden aus der Region langfristig zu sichern, hat sich die Obstland Dürrweitzschen AG vor mehr als 10 Jahren für die Anschaffung von sechs Hagelschutzkanonen entschieden.

Hagel entsteht, wenn verdunstetes Wasser mit warmer Luft in die Höhe steigt. Dabei kühlt sich der Wasserdampf zu Tröpfchen ab und Wolken entstehen. Das Wasser lagert sich an Partikeln an, die in der Luft liegen. Gemeinsam steigen sie in große Höhen, in denen sich Eiskristalle bilden. Durch die Schwerkraft sinken sie wieder nach unten und sammeln weitere Wassertröpfchen ein. Das Wechselspiel zwischen Aufwinden und Schwerkraft führt zu einer Zirkulation der Eiskristalle, bei der sie sich stetig vergrößern.

Die Hagelschutzkanone unterbricht diesen Kreislauf durch senkrechte Druckwellen im Abstand von 15 Sekunden in den Himmel. Diese Druckwellen werden durch die Explosion eines Acetylen-Sauerstoff-Gemisches erzeugt. Chemische „Wolken-Impfstoffe“ werden bei dieser Methode nicht eingesetzt. In der Folge wird das Anwachsen der Wassertropfen zu Eis- und Hagelkörner verhindert, sodass sie als Regen oder Nassschnee auf die Erde fallen. Damit dieses Prinzip funktioniert, müssen die Hagelschutzkanonen rechtzeitig aktiviert werden. Deshalb werden über einen Wetterdienst die Obstbauern vor nahendem Unwetter gewarnt. Anhand des Radarbildes und durch die langjährige Erfahrung erkennen die Verantwortlichen, ob es sich um eine mit Hagel drohende Gewitterfront oder um eine reine Regenzelle handelt und in welche Richtung die Zellen vermutlich ziehen werden. Nur wenn eine ernsthafte Gefahr für die Früchte an den Bäumen besteht, werden die Hagelschutzkanonen in Betrieb genommen.

Sobald die Gefahr vorüber ist, wird der Einsatz beendet. Einen Nachweis für die Wirkung der Hagelschutzkanonen kann man in den Radarbildern erkennen. Die Wirkung der Hagelschutzkanonen erstreckt sich dabei nicht nur auf die Plantagen der Obstland Dürrweitzschen AG. Auch andere Landwirte in der Region sowie die Gewächshäuser, Dächer und Autos der anliegenden Bewohner profitieren von dieser Schutzmaßnahme.

Den Vorwurf, dass durch den Einsatz der Hagelschutzkanonen ein Abregnen der Wolken verhindert wird, entkräftet Dr. Armin Raabe vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig. Er äußert sich aus seiner wissenschaftlichen Perspektive: „Aus dieser Sicht würde das erzeugte Schallfeld eher die Regenwasserbildung unterstützen, völlig unabhängig davon, ob es auch bezüglich der Hagelunterdrückung einen Effekt gäbe.“

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