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Nachrichten 25.11.2020

„Verantwortung für Mensch und Natur“ jetzt messbar: Voelkel veröffentlicht Unternehmensbilanz nach Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)

Als erster deutscher Getränkehersteller hat sich der niedersächsische Bio-Pionier Voelkel nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bilanzieren lassen.

„Verantwortung für Mensch und Natur“ jetzt messbar: Voelkel veröffentlicht Unternehmensbilanz nach Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)
Gemeinwohl als Familientradition (v. l.): Boris, Stefan, David, Grita, Jurek, Jacob Voelkel (Foto: Voelkel)

Als erster deutscher Getränkehersteller hat sich der niedersächsische Bio-Pionier Voelkel nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bilanzieren lassen. Die Unternehmensphilosophie „Verantwortung für Mensch und Natur“ ist damit mess- und vor allem belegbar. Denn die sogenannte GWÖ-Bilanz ist eine auf Objektivität und Transparenz ausgelegte Weiterentwicklung der weitverbreiteten Nachhaltigkeitsberichte. Im Gegensatz zu diesen wird bei der GWÖ-Bilanz durch unabhängige Auditor*innen auf Basis einer Matrix nachvollziehbar geprüft, inwieweit ein Unternehmen dem Gemeinwohl nützt oder gegebenenfalls halt auch schadet. Denn den kritischen Umgang auch mit Defiziten im Unternehmen haben völlig freiwillig gestaltete Nachhaltigkeitsberichte bislang nicht abgebildet. Um jedoch dem Wunsch der Verbraucher nach Transparenz in der Bewertung von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit nachzukommen, wurde von der GWÖ-Bewegung ein Punktesystem entwickelt, das bei minus 3600 (sehr schädlich) beginnt und bei maximal plus 1000 Punkte (sehr nachhaltig) endet. Die GWÖ-Bilanz gibt dem Konsumenten dadurch auf einen Blick Orientierung, wie gemeinwohlorientiert ein Unternehmen wirtschaftet. Das Verfahren ist Bestandteil der Gemeinwohl-Ökonomie und wurde vom österreichischen Sozialwissenschaftler und Wirtschaftsreformer Christian Felber entwickelt. Über 700 Unternehmen haben sich bereits nach den Kriterien der GWÖ bilanzieren lassen, darunter Greenpeace, Sonnentor, Das IGC der Hochschule Bremen, die Samariter Stiftung und die Sparda Bank München.

Christian Felber: „Mit Voelkel verstärkt ein Leuchtturm-Unternehmen des nachhaltigen Wirtschaftens die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, das andere inspirieren kann. Der Langzeit-Pionierbetrieb beweist, dass ein prosperierendes Unternehmen mit gesunden Produkten, überwiegend regionalem Zukauf, viel Augenmerk auf gesundem Essen und Bewegung für die würdig entlohnten Mitarbeiter*innen, Zusammenarbeit mit ethischen und regionalen Banken sowie keine Gewinnausschüttung an Personen zusammengeht.“

Mit plus 584 Punkten konnte Voelkel aus dem Stand eine der höchsten Punktzahlen aller bislang testierten deutschen Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern erzielen.

Christian Harder, in der Geschäftsführung von Voelkel für Finanzen und Bilanzen zuständig: „Wir gehören keinem Konzern, haben den höchsten Demeter-Anteil aller deutschen Safthersteller und achten seit jeher auf besonders faire Beziehungen zu unseren Lieferanten. Zudem pflegen wir auch mit unseren Kunden Partnerschaften auf Augenhöhe, engagieren uns in großem Umfang für soziale Projekte sowie den Umweltschutz und arbeiten fortlaufend an der Reduktion des Energieverbrauchs. Daher waren wir bereits von einer recht hohen Punktzahl ausgegangen, das hat sich nun bestätigt. Schon bei der internen Vorarbeit sind uns neben den vielen Themen die wir schon sehr gut machen, aber auch Dinge aufgefallen, bei denen wir noch Steigerungspotenzial haben. Der Besuch und der anschließende Bericht der Prüferinnen waren dafür ebenfalls sehr hilfreich.“ Der partizipative Charakter der GWÖ-Bilanz hilft Unternehmen dabei, auf sehr nachvollziehbare Weise Optimierungsfelder zu identifizieren. Als ein Beispiel dafür nennt Harder den Bereich Mitarbeiter*innen-Mobilität. „Durch unsere ländliche Lage und die kaum vorhandene ÖPNV-Anbindung kommen fast alle Mitarbeiter mit dem eigenen Pkw. Das hat uns in der GWÖ-Bilanz einige Punkte gekostet.“

Stefan Voelkel (62), Seniorchef der vor fast 80 Jahren gegründeten Naturkostsafterei, die 2019 rund 74 Millionen Euro mit Obst- und Gemüsesäften umsetzte: „Für uns ist die GWÖ-Bilanz ein Vehikel auf einem Weg der zukunftsorientierten Transformation unserer Gesellschaft. Die wahren Kosten der konventionellen Landwirtschaft sind um ein vielfaches höher als die auf dem Kassenbon. Die versteckten, langfristigen Kosten, die zum Beispiel durch die Verschmutzung der Gewässer verursacht werden, bezahlen wir als Gesellschaft ohne, dass es sichtbar wird. Die Punktezahl der GWÖ-Bilanz kann, wenn sie zum Beispiel auf das Etikett eines Produktes gedruckt wird, auf einen Blick anzeigen, wie gemeinwohlorientiert ein Unternehmen wirtschaftet. Verbraucher gehen dann nicht mehr alle vier Jahre zur Wahl, sondern stimmen mit jedem Griff in das Regal neu ab.“ Stefan Voelkel weist darauf hin, dass sein Vater bereits in den 80er Jahren die Werte der GWÖ antizipiert hätte. So schreibt Harm Voelkel 1988 in seinen Erinnerungen: „In Zusammenhang mit Erzeugern und Verbrauchern wird die Mosterei geführt und stellt so eine zukunftsgemäße Wirtschaftsform vor Augen, die nicht nur, wie heute im zunehmenden Maße üblich, den geldlich-wirtschaftlichen, sondern auch den qualitativen und im weiten Sinne sozialen Zielen dient.“

Hier finden Sie den gesamten GWÖ-Bericht von Voelkel: https://bit.ly/2URPldF

Über die Gemeinwohl-Ökonomie:
Die sogenannte Gemeinwohl-Ökonomie basiert auf einer grundlegenden Erkenntnis: Unser Wirtschaftssystem steht Kopf. Unternehmen, die die Natur schädigen, Lieferanten*innen ausbeuten und Mitarbeiter*innen schlecht behandeln werden belohnt. Firmen, die fair, nachhaltig und verantwortungsvoll wirtschaften, haben auf vielfältige Weise Nachteile. Um dies zu ändern, bedarf es fundamentaler Weichenstellungen. Dessen sind sich Politiker*innen aller Parteien einig. Laut der EU-CSR-Richtlinie (2014/95/EU) sind Großunternehmen in Europa seit 1. Januar 2017 zur Angabe nicht finanzieller Informationen verpflichtet: Zielsetzung ist erhöhte Transparenz, speziell in Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmer*innen-Belangen.
Die auf den Fundamenten der sozialen Marktwirtschaft basierende GWÖ sieht die Vermehrung des Kapitals nicht als Wert an sich an, sondern sieht Eigentum in der Pflicht, dem Gemeinwohl zu dienen. So wie es bereits die Gründer*innen des deutschen Grundgesetzes niedergeschrieben haben. „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“, heißt es dort (Art. 14).
Die GWÖ ist ein Veränderungshebel auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene. Die GWÖ agiert unabhängig von Regierungen, Parteien, wirtschaftlichen Interessengruppen, Glaubensgemeinschaften oder politischen Fundamentalismen.

Die GWÖ-Bilanz ist dabei eine Lösung, die international als besonders erfolgsversprechend gilt, weil sie auf Evolution und nicht auf Revolution setzt. Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein Bewertungsverfahren für Privatpersonen, Gemeinden, Firmen und Institutionen, mit dem geprüft wird, inwieweit sie dem Gemeinwohl dienen. Dabei wird das Verhalten der bilanzierten Institution gegenüber den Lieferant*innen, Mitarbeiter*innen, Kund*innen und Mitunternehmen sowie dem gesellschaftlichen Umfeld geprüft. Auch die Eigentums- und Finanzstruktur wird evaluiert. Bewertet werden ökologische, soziale und andere Aspekte.

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