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Zukunft für Bayerns Streuobst: Workshop in Triesdorf entwickelt neue Vermarktungsideen

Streuobstwiesen prägen vielerorts die bayerische Kulturlandschaft, bieten Lebensraum für tausende Tier- und Pflanzenarten und liefern hochwertige regionale Lebensmittel – sind aber zunehmend bedroht. Um die wirtschaftliche Grundlage für ihren Erhalt zu stärken, …

Zukunft für Bayerns Streuobst: Workshop in Triesdorf entwickelt neue Vermarktungsideen
Gruppenbild (Foto: Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn))

Streuobstwiesen prägen vielerorts die bayerische Kulturlandschaft, bieten Lebensraum für tausende Tier- und Pflanzenarten und liefern hochwertige regionale Lebensmittel – sind aber zunehmend bedroht. Um die wirtschaftliche Grundlage für ihren Erhalt zu stärken, haben sich am 25. März 2026 in Triesdorf 27 Streuobst-Akteurinnen und -Akteure zu einem Workshop zur „zukunftsfähigen Streuobstvermarktung“ getroffen und konkrete Ansätze für neue Produkte und Wertschöpfungsketten entwickelt.

Streuobstbestände sind nicht nur ein wichtiger Erholungsraum und charakteristisches Landschaftselement, sondern auch von herausragender ökologischer Bedeutung: Sie bieten über 5.000 Tier- und Pflanzenarten einen unverzichtbaren Lebensraum. Gleichzeitig stellen die Vielfalt an Obstarten und alten Sorten einen wertvollen Schatz an genetischen Ressourcen dar. Aus den regional erzeugten Früchten entstehen hochwertige Produkte, die zu einer genussvollen und gesunden Ernährung beitragen.

Trotz dieser Bedeutung sind die Streuobstflächen in Bayern in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen und in vielen Regionen gefährdet. Um den Bestand zu sichern und auszubauen, wurde 2021 der Bayerische Streuobstpakt geschlossen – ein verbindliches Abkommen zwischen der Bayerischen Staatsregierung, vertreten durch das Landwirtschafts- und das Umweltministerium, und acht engagierten Verbänden. Ziel ist es, den bestehenden Bestand zu erhalten und bis 2035 eine Million zusätzliche Streuobstbäume in Bayern zu pflanzen. Der Pakt sorgt dafür, dass Maßnahmen besser aufeinander abgestimmt werden und das Engagement zahlreicher Organisationen, Initiativen und Vereine gebündelt wird.

Vor diesem Hintergrund brachte der Workshop „Zukunftsfähige Streuobstvermarktung“ am 25.03.2026 im Infozentrum der Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) zentrale Akteurinnen und Akteure aus der Praxis zusammen. Unter Federführung von Projektmanagerin Susanne Stübinger vom Cluster Ernährung und unter fachlich-methodischer Leitung von Fr. Prof. Dr. Rebecca Preller (Institut für Entrepreneurship und Innovation, Universität Bayreuth) arbeiteten fünf Arbeitsgruppen an neuen Ideen rund um Streuobstprodukte und regionale Wertschöpfungsketten.

Ziel des Workshops war es, wirtschaftlich tragfähige, praxisnahe und zukunftsfähige Verarbeitungs- und Vermarktungslösungen zu entwickeln. Theoretische Impulse aus Innovationsforschung und Entrepreneurship wurden mit praktischen Übungen verknüpft. So konnten kreative, nutzerorientierte und umsetzbare Produktideen entstehen, die Streuobstbestände durch eine bessere Nutzung langfristig sichern helfen.

In den Gruppen wurden erste konkrete Produktideen und Produktsteckbriefe erarbeitet, ergänzt durch vielfältige Optionen für neue oder intensivere Kooperationen in den Regionen. Die Ergebnisse bieten eine belastbare Grundlage für Pilotprojekte und weiterführende Netzwerkarbeit. Leitend waren dabei zentrale Gedanken, die den künftigen Umgang mit Streuobst prägen sollen:

  • „Schützen durch Nützen“ – die aktive Nutzung als Schlüssel zum Erhalt der Bestände
  • „Sichtbarkeit erhöhen“ – Streuobst und seine Produkte stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken
  • „Streuobst braucht die Jugend“ – junge Zielgruppen gezielt ansprechen und einbinden
  • „Wertschätzung durch Wertschöpfung“ – angemessene Preise für hochwertige, regionale Qualität
  • Regionale Wertschöpfungsketten stärken – vom Baum bis ins Verkaufsregal in der Region halten
  • Engagement unabhängiger von Fördermitteln machen – robuste Geschäftsmodelle entwickeln
  • „Streuobst geht nicht nur flüssig“ – neue Produktideen jenseits von Saft und Most erschließen

Im Cluster Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kulmbach begleitet Susanne Stübinger durch Netzwerkarbeit, Workshop-Organisation und Wissenstransfer gezielt die Weiterentwicklung des Streuobstanbaus in Bayern. Ein Schwerpunkt liegt darauf, durch höhere Wirtschaftlichkeit die Pflege und den Erhalt der Bestände zu sichern. Der Workshop in Triesdorf ist Teil des Projekts „Vermarktungsförderung für Streuobstprodukte“, das vom Cluster Ernährung und der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau umgesetzt und vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) finanziert wird.

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