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Menschen & Macher 03.06.2026

Vor dem Digitalen Produktpass 2027: AgriFoodLoop entwickelt die digitale Kreislaufinfrastruktur für die Lebensmittelwirtschaft

In der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft fallen täglich enorme Mengen an Prozesswasser, organischen Reststoffen und Nebenprodukten an – bislang oft kostenintensiv entsorgt, obwohl sie ein hohes ökologisches und wirtschaftliches Potenzial bergen.

Vor dem Digitalen Produktpass 2027: AgriFoodLoop entwickelt die digitale Kreislaufinfrastruktur für die Lebensmittelwirtschaft
Das Konsortium (Foto: AgriFoodLoop)

Vom Fruchtsaft zur Algenkultivierung – KI und Digitale Zwillinge machen Nebenstoffströme wirtschaftlich nutzbar

In der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft fallen täglich enorme Mengen an Prozesswasser, organischen Reststoffen und Nebenprodukten an – bislang oft kostenintensiv entsorgt, obwohl sie ein hohes ökologisches und wirtschaftliches Potenzial bergen. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck: Die EU-Kreislaufwirtschaftsstrategie und der ab 2027 verpflichtende Digitale Produktpass verlangen mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Greentech Innovationswettbewerbs geförderte Verbundvorhaben AgriFoodLoop liefert die digitale Antwort darauf.

Digitale Zwillinge für den Kreislauf

AgriFoodLoop bildet reale Stoffströme als vernetzte digitale Zwillinge ab. Über ein standardisiertes, DPP-kompatibles Datenmodell werden Prozesswasser, Fasern, Treber und weitere Nebenprodukte erstmals durchgängig erfasst und bewertet. KI-gestützte Prognose- und Optimierungsverfahren machen Verwertungspotenziale sichtbar – erklärbar und nutzerzentriert dank Explainable AI (XAI).
Konkrete Anwendungsfälle: Prozesswasser aus der Gemüseverarbeitung sowie dem Bierbrauen wird als Nährstoffquelle für Mikroalgen genutzt. Brauereitreber wird als wertvoller Rohstoff in die Mycoprotein-Produktion überführt und für eine nachhaltige, zirkuläre Lebensmittelproduktion nutzbar gemacht. Die Plattform ist von Beginn an auf weitere Stoffströme – Molkereirückstände, Bäckereinebenströme, Gärreste – auslegbar.

Das Konsortium

Bonn Consulting Group (Konsortialleiter, Bonn) verantwortet Architektur und Plattformentwicklung. Fraunhofer HHI (Berlin) liefert KI-gestützte Analysen, und Datenmodelle. Das Institut für nachhaltige Agrarforschung IFN (Schönow) bringt Biotechnologie, Versuchsanlagen und Validierungsdaten ein. Als Industriepartner stellen A. Dohrn & A. Timm GmbH (Brandenburg) Prozesswasserdaten aus der Saftproduktion und Kontor N / Eat Beer Biotech (Mecklenburg-Vorpommern) Brauereidaten und Treber bereit.

„In der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft entstehen täglich Stoffströme, die mehr wert sind als ihr Entsorgungspreis. AgriFoodLoop erschließt dieses Potenzial mit einer digitalen Plattform, die Reststoffe erfasst, bewertet und in neue Wertschöpfung überführt – skalierbar, interoperabel und direkt im Betrieb einsetzbar.“, kommentiert Jan Christian Redlich, Konsortialleiter AgriFoodLoop & CTO, Bonn Consulting Group GmbH.

Open-Source, global anschlussfähig

Die Plattform wird als Open-Source-Lösung entwickelt: Die Grundfunktionen werden als wiederverwendbare Open-Source-Anwendung konzipiert, welche mit beliebigen KI- und DPP-Module erweitert werden kann. Die Architektur basiert auf der ITU-Referenzarchitektur für digitale Agrarsysteme. Das Projekt ist so in die Global Initiative for Food Systems der UN Organisationen FAO, IFAD, ITU und WFP eingebettet. 21 assoziierte Partner – darunter DLG, CLAAS, Gemüsering Stuttgart, IAK Agrar Consulting und die German Agribusiness Alliance – sichern den Transfer und Breitenverankerung.

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